Das ist doch nicht mein Problem

20140803-IMG_1254Piazza del Popolo – Rom © Dorothea Lubahn

Vor einigen Wochen besuchte ich eine Veranstaltung eines Münchner Verlags. Es war Sonntag, daher tummelte sich nicht das klassische Fachpublikum im Saal, sondern vor allem viele Literatur interessierte Münchnerinnen und Münchner. Bereits in der ersten halben Stunde teilte sich das Publikum in interessierte Zuhörer und diejenigen, die diese Gelegenheit nutzen wollten, sich durch Beiträge selbst zu produzieren.

Eine dieser Damen blieb mir dabei nachhaltig im Gedächtnis. Es waren nicht die Fragen, die sie an das Podium stellte, diese hatten durchaus ihren Platz, wenngleich die Formulierungen allein schon einen unangenehmen lehrerhaften Touch hatten. Mir blieb vor allem die unfreiwillig mitgehörte Unterhaltung in der Pause von ihr mit zwei anderen Damen, die vor mir saßen, in Erinnerung.

„Wenn jemand mit mir ein Problem hat, ist das doch nicht mein Problem“

war der Ausspruch, der mich zum Nachdenken brachte. Einer der drei Autoren hatte auf eine ihrer Frage „man merkt, dass sie Lehrerin sind“ geantwortet. Er war jedoch nicht der einzige, der von ihr direkt in die Schublade „der mag mich nicht“ einsortiert wurde. Sie wiederholte diesen Satz „es ist doch nicht mein Problem“ in dem Gespräch mit den anderen beiden mehrfach und führte verschiedene kurze Begegnungen in ihrem Alltag an.

Selbstverständlich ist uns nicht jeder Menschen gleichermaßen sympathisch, jeder hat seine Eigenarten und Besonderheiten, die anziehend oder abstoßend wirken. Das ist nur natürlich und zunächst mal kein Problem. Bei Veranstaltungen wie diese beim Verlag oder ähnlichen Situationen, in denen ich mir unbekannte Menschen treffe, entscheide ich nach wenigen Sekunden automatisch, mit wem ich ins Gespräch kommen möchte oder von wem ich mich ansprechen lasse. Aber es liegt auch an mir, ob mich jemand interessant findet, mich anspricht, oder ob ein Augenkontakt mit einem Lächeln beantwortet wird.

Ich glaube, Glück entsteht auch gerade durch die Begegnungen und die Gespräche mit Menschen, vor allem auch durch die kurzen, überraschenden Momente. Diese werden einem jedoch nur dann geschenkt, wenn man offen dafür ist und dieses auch signalisiert. Daher: ja, es ist auch mein Problem, wenn ich auf andere unsympathische und verschlossen wirke, wenn man Augenkontakt und jedes Gespräch vermeidet. Es ist mein Leben, das dann einsam und eintönig wird.

Eine gute Wahl

Wer die Wahl hat, hat die Qual – sagt der Volksmund. Ja, täglich müssen wir viele Entscheidungen treffen, egal ob es die Wahl der Kleidung, die Wahl des Mittag- oder Abendessens oder beim Einkaufsbummel die Wahl der Hose, Bluse, Hemd oder Rocks. Dabei entscheiden wir uns meistens für das, worauf wir gerade Lust haben, wonach uns gerade ist oder was uns steht. Wir kaufen das, was uns, unserem Anspruch und unseren Wünschen entspricht, prüfen dabei die Qualität und manchmal setzen wir dabei sogar ethische Maßstäbe an. Mal ist es das besondere Design, die vertraute Marke oder das Wirkung, die uns Werbung verspricht, mal die Lust auf etwas Neues, Exotisches, die unsere zu der Entscheidung bestimmt.

Schon die Wahl für das „geringere Übel“, wenn das Angebot nicht das bietet, was wir gerne hätten, macht uns unzufrieden. Nicht im Traum würden wir beim Einkauf etwas wählen, nur um gegen etwas zu sein.

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©Thomas Michael Glaw

Mit der Wahl im Saarland hat nun das Wahljahr begonnen. Glaubt man der Berichterstattung, so scheinen die Menschen bei den verschiedenen politischen Wahlen und Abstimmungen in den letzten Monaten ein anderes Wahlverhalten an den Tag gelegt zu haben. Man hat gegen die EU, gegen das Establishment gewählt, seine Stimme nicht für eine Überzeugung oder eine politische Idee gegeben sondern gegen das bestehende System, in dem man sich scheinbar nicht wieder findet. Es war nicht mal die Entscheidung für das geringere Übel – dafür hätten die Konsequenzen ausgelotet und abgewogen werden müssen.

Es muss sich etwas ändern:
Für eine gute Wahl braucht es ein politisches Angebot, das sich an den Menschen, für die es sein soll, orientiert, es braucht bürgernahe Politiker, denen man vertrauen kann, die Ängste und Probleme ernst nehmen und Entscheidungen transparent vermitteln. Es braucht aber auch Bürgerinnen und Bürger, die sich informieren, ihre Verantwortung durch die Stimmabgabe ernst nehmen, sich für etwas entscheiden mit allen Konsequenzen.

Denn: anders als der Pulli, der sich als Fehlkauf erweist und sich in der Altkleidersammlung wiederfindet haben politische Entscheidungen langfristige Auswirkungen.